Beiträge zu Nahost und Iran

von Dr. sc. Angelika und Dr. Wolfgang Bator

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Startseite / amerikanische Nahostpolitik / Strategie der Obama Administration - Seite 10

Strategie der Obama Administration - Seite 10

E-Mail Drucken PDF
Beitragsseiten
Strategie der Obama Administration
II. Der israelisch-palästinensische Konflikt
Die gescheiterte Demokratisierungs-Versuch der Bush-Administration
Präsident Obamas Position zu Israel
Obamas Forderungen an den palästinensischen Verhandlungspartner
Einbeziehung der Türkei in die Lösung der israelisch-arabischen Konflikte
Obamas Verhandlungsangebot an die Islamischen Republik Iran
III. Der afghanisch-pakistanische Konflikt
Verschlechterung der militärischen Lage in Afghanistan
Die von Pakistan ausgehende Bedrohung
Das neue Konzept im Krieg gegen die Taliban
Quellenverzeichnis
Alle Seiten
Die von Pakistan ausgehende Bedrohung

Der Krieg, der in Afghanistan begann, hat sich über die Federal Administered Tribal Areas (FATA) in Pakistan ausgebreitet. Der Schwerpunkt des komplexen, multidimensionalen Krieges, den die Vereinigten Staaten in Afghanistan führen, hat sich 2009  in dieses pakistanische Gebiet  verlagert.  Es wird immer weniger wahrscheinlich, dass die US-Streitkräfte und NATO/ISAF zusammen mit den Afghanen  den militärischen und den politischen Abnützungskrieg in Afghanistan gewinnen werden, solange die Jihad-Kämpfer, al-Kaida und  andere Extremisten Unterstützung und Unterschlupf in Pakistan finden.

Das nuklear-bewaffneten Pakistan ist außerdem für die Vereinigten Staaten von so großer strategischer Bedeutung, dass sie die Umwandlung Pakistans in einen von der Jihad-Bewegung beherrschten Staat niemals zulassen werden. Eine solche Entwicklung würde eine noch ernstere Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellen  als der Verlust Afghanistans.

Aus inoffiziellen Erklärungen der pakistanischen Regierung und der Militärführung ist erkennbar, dass der Krieg in Afghanistan in erster Linie als Krieg der Amerikaner betrachtet wird, der noch dazu auf Pakistan destabilisierend wirkt. Die Gründe für diese Auffassung müssen in den Gemeinsamkeiten gesucht werden die Pakistan mit Afghanistan verbinden.

Die auf beiden Seiten der pakistanisch-afghanischen Grenze bestehenden Gemeinsamkeiten in ethnischer, sprachlicher, kultureller und sozialer  Hinsicht fördern die Verständigung der  Bevölkerungsgruppen diesseits und jenseits der Grenzen. Die wichtigste Grundlage ihrer Verständigung ist die Religion, der Islam. Sowohl die Bevölkerung Afghanistans als auch Pakistans bekennt sich zum Islam. Islamische Mullahs, islamische Schulen und auch islamisches Recht haben vor allem auf dem Land weitreichenden Einfluss. Unter diesen Bedingungen  waren die pakistanische Regierung und ihr Geheimdienst in den 80er Jahren an der Entstehung der Taliban und ihrer Formierung zu Jihad-Kämpfern in Afghanistan  maßgeblich beteiligt. Die  religiösen, kulturellen und ethnischen Bindungen die zwischen der pakistanischen Bevölkerung und den Taliban bestehen, waren damals und sind auch heute noch die Grundlage ihrer Beziehungen. Aus Sicht Pakistans handelte es sich in den 80er Jahren um den gemeinsamen Kampf von Islam-Gläubigen gegen die Invasion der sowjetischen Streitkräfte und ihre afghanischen Verbündeten, d.h. gegen die ungläubigen Kommunisten.
Als 2001 die amerikanische  Invasion in Afghanistan einsetzte, stellte sich Präsident Musharraf  an die Seite der USA, er versuchte eine Kehrtwende zu vollziehen. Er konnte in dem islamischen Pakistan die Unterstützung der Taliban nicht aufgeben, aber er bemühte sich diese in Übereinstimmung mit der von den USA vorgegebenen Linie im Anti-Terrorkampf zu bringen, was niemals vollständig gelang.


Die Islamisten, die Taliban und Nicht-Taliban unter den Jihad-Kämpfern konnten ihren Einfluss vergrößern. Die radikalen Sunni-Kämpfer im Punjab, in der Northwest Frontier Province, in den Federally Administered Tribal Areas (FATA) und in Baluchistan führen den Jihad sowohl im Innern Pakistans, auf regionaler Ebene in Afghanistan und Indien als auch global gegen den Westen. Ihr Einfluss konnte sich  so weit ausbreiten, weil sie unterstützt werden von einem seit langem bestehenden Netzwerk Sunnitischer Extremisten (TNSM) dessen Ausgangsbasis der Punjab ist und  weil sie unter dem Schutz des pakistanischen Militärs standen.  (25)


Am 16.2.2009 schloss die Regierung ein Friedensabkommen mit den im Swat ansässigen Sunnitischen Extremisten (TNSM) die auch mit den Taliban verbündet sind. Das Abkommen war eine Kapitulation vor den Extremisten. Die Regierung stimmte damit der Anwendung der Sharia im Gebiet von Malakand zu.  Ab Februar wurden hier alle Klagen vor Gericht nach religiösen Recht entschieden. Alle Sicherheitsposten wurden abgebaut und alle militärischen Bewegungen mussten von der TNSM genehmigt werden. Die arretierten Jihad-Kämpfer mussten freigelassen werden, auch die denen Gewalttaten angelastet worden war. Als Gegenleistung verpflichteten  sich die Jihad-Kämpfer den bewaffneten Kampf einzustellen.
Wenn dieses Abkommen bestehen bleibt, dann verstärkt sich auch der Einfluss der Taliban im gesamten Gebiet und damit die Aktivität von Al-Kaida.
Die pakistanischen Militärführung zeigte sich immer wieder unwillig, wenn die Armee gegen die radikalen Islamisten in Pakistans Westgebieten eingesetzt werden sollte. Die Militärs in Pakistan orientierten vorrangig auf den Einsatz im Osten gegen Indien, denn dort steht nach ihrer Ansicht  schon  seit Gründung des pakistanischen Staates der Hauptfeind. (26)
Die pakistanische Militärführung stand  zwar in ständigem Kontakt mit der Führung der amerikanischen Streitkräfte in Afghanistan, aber sie erlaubte ihnen keine auf Aufspürung der Taliban und ihrer Verbündeten gerichteten Übergriffe auf pakistanisches Territorium.  Als einen wichtigen Kriegsbeitrag hat Pakistan die Sicherung des zeitweilig von Angriffen der Extremisten bedrohten, lebensnotwendigen Nachschubs für die Koalitionstruppen von den Häfen am Indischen Ozean bis nach Afghanistan geleistet.

Die Nichtübereinstimmung bezüglich des Anti-Terrorkampfes zwischen Pakistan und den USA blieb bestehen. Man hatte in Pakistan im Laufe der Kriegsjahre eine andere Sicht  als die USA auf den Anti-Terrorismus-Krieg in Afghanistan gewonnen:

- Die pakistanische Bevölkerung  begann die Militäraktionen abzulehnen als deutlich wurde, dass die USA vom Krieg gegen den Terrorismus sprachen aber eigentlich einen Feldzug gegen den Islam führten.
- Schließlich verbreitete sich die Meinung, die USA würden den Anti-Terrorkampf nur führen, um das an Ressourcen und Mineralien reiche Zentralasien zu kontrollieren und eine Containment-Politik gegen China aufzubauen.

Diese sowohl in der militärischen wie politischen Führung verbreiteten Ansichten machten Pakistan zu einem unzuverlässigen Bündnispartner. Angesichts des sich zuspitzenden afghanisch-pakistanischen Konfliktes ist Präsident  Obama entschlossen den Krieg gegen die Extremisten weiter zu führen, denn sie würden nur eine kleine Minderheit in der großen islamischen Weltgemeinschaft  darstellen, und diese Extremistengruppe müsse isoliert werden.  (27)

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Fußnoten
:

25   Aufständische die in Pakistans North-West-Frontier Procince (NWFP) operieren, sind sowohl Taliban als auch Nicht-Taliban. Die Nicht-Taliban unter den Aufständischen haben oft enge Kontakte zu den pakistanischen Behörden, und den Sicherheitskräften. (nach oben)
Pakistanische Taliban, die ethnisch den Paschtunen zuzuordnen sind,  haben enge Kontakte zu den afghanischen Taliban im Gebiet der Paschtunen und  operieren auf beiden Seiten der Grenze. Die meisten der pakistanischen Taliban gehören einer Dachorganisation der Tehrik-i-Taliban (TTP) an, die im Dezember 2007 in geheimer Sitzung von hohen Kommandeuren aus Nord und Süd Waziristan und den Stammesgebieten gegründet worden ist. Die Ziele dieser Organisation war die Selbstverteidigung im Falle eines Angriffes der pakistanischen Sicherheitskräfte aber sie wollten auch den afghanischen Taliban im „Heiligen Krieg“ gegen die ausländischen Streitkräfte beistehen. Die Organisation war keine disziplinierte Einheit sondern von inneren Streitigkeiten um das Vorgehen und die Führungsposition zerrissen. Ein Teil der Taliban schloß ein Friedensabkommen mit der pakistanischen Regierung in Nord Waziristan und hielt sich später aus den Kämpfen anderer Gruppierungen heraus.
26   Die über 10 Milliarden  US$ Militärhilfe sind vorwiegend dafür verwendet worden die militärische Kapazität Pakistans für einen eventuellen Krieg  gegen den historischen Feind Indien auszubauen.
(nach oben)
27    BBC News,net 5.6.2009, Obama Speech
(nach oben)


Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 29. Juli 2012 um 16:03 Uhr  

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Hauptmenü